Einander brauchen und wertschätzen

Eheberater Dieter Leicht vor dem Publikum.
Mit Humor und Wissen: Eheberater Dieter Leicht beim Paar-Seminar in Michelau.

Wie kann eine Ehe gelingen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Seminars, zu dem die Dekanatsfrauen "Paare und solche, die es werden wollen" am Valentinstag ins Gemeindezentrum Michelau eingeladen hatten.

Worauf es ankommt

Ehe- und Familienberater Dieter Leicht machte deutlich, dass unsere Gesellschaft zunehmend von Haltlosigkeit geprägt sei. Obwohl sich die Menschen nach Liebe und Geborgenheit, Familie und Partnerschaft sehnen, stiegen die Scheidungsraten stetig an. Dies sei zum einen darauf zurückzuführen, dass die Ehe heute keine wirtschaftliche Überlebensnotwendigkeit mehr darstelle, so Leicht, andererseits auf das zunehmende Unwissen darüber, wie Partnerschaft gelebt werden müsse.

Jeder habe sein Glück selbst in der Hand, verdeutlichte der Referent, fügte aber einschränkend hinzu, dass die Herkunftsfamilie das Verhalten eines Menschen nachhaltig präge. Die Teilnehmer des Seminars sollten sich bewusst werden, welche Handlungsalternativen für ihre Partnerschaft angemessen seien. "In der Regel verhält sich ein Partner so, wie seine Eltern es vorgelebt haben", zeigte der Referent auf. Wer seine Eltern als unglücklich erlebt habe, sollte dieses Verhalten auf keinen Fall kopieren.

Kompromisse ohne Verlierer

Da jeder seine persönliche Weltanschauung hat, lautet nach Dieter Leicht die Hauptfrage in einer Partnerschaft: "Wie gehen wir mit unserer Unterschiedlichkeit um?" Wenn der andere nicht anders sein dürfe, werde das System Partnerschaft ausgehebelt, warnte der Referent. Unterschiedlichkeiten könnten nur durch Kompromisse gelöst werden. Ideal seien Lösungen, bei denen beide Partner als Gewinner hervorgehen können. Das heiße letztlich, dass jeder dem anderen zuliebe etwas tun müsse, was ihm eigentlich nur eingeschränkt gefällt. „Geben und Nehmen müssen in einer Ehe und in einer Partnerschaft ausgeglichen sein!“, stellte Dieter Leicht heraus. Doch in einer Zeit der Individualisierung hätten viele Menschen nur sich selbst im Blick, bedauerte er.

Mit Gestik und Mimik verdeutlichte der Referent seine Inhalte.

Als größten Erziehungsfehler von Eltern brandmarkte der Eheberater die Verwöhnung der Kinder. "Wer so aufwächst, lebt mit der besten Voraussetzung, dass seine Partnerschaft schief geht!" Vielmehr sollten sich Eltern die Frage stellen, wie sie ihren Kindern ein gesundes Selbstwertgefühl mitgeben. Dies könne dadurch geschehen, dass man Kinder auf ihrem guten Weg bestärke und nicht durch eigene Zweifel verunsichere. Schließlich wies Dieter Leicht darauf hin, dass eine gelingende Partnerschaft Abgrenzung brauche. Um die "Generationenschranken" einzuhalten, sollten sich Eltern aus den Ehen ihrer Kinder heraushalten.

Wer in der Familie gute Wurzeln erleben durfte und in einer geschützten Umgebung aufgewachsen sei, werde auch als Mensch und Partner reifen. Einen guten Platz im Leben habe der Mensch dann eingenommen, wenn er einerseits gebraucht und andererseits Wert geschätzt werde, machte Dieter Leicht deutlich.

Unterhaltsame Paaraufgaben

All das Wissen vermittelte der Referent unterhaltsam und spannend, auch vor kniffligen Lebensfragen schreckte er nicht zurück. Scheinbar leichtfüßig ging Dieter Leicht durch seine Themen und überließ den Paaren in Zweigruppen das Weiterdenken. Dazu nutzte er sein sympathisches Talent: Geschichten plastisch erzählen zu können, zu karikieren, seine explosive Gestik und authentische Mimik.Fachkundige Informationen streute er fein dosiert dazwischen. All das blieb während des Seminartags spannend – auch weil die Zuhörer merkten, dass hier ein erfahrener Jugendseelsorger, Ehemann, Vater von drei Kindern und Großvater von elf Enkeln stand.

Text und Fotos: Joachim Wegner

© Evangelisch-Lutherisches Dekanat Michelau 2013-2019

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