Kindergarten-Neubau: 1000 Quadratmeter für fünf Gruppen

Auf 1000 Quadratmetern und zwei Ebenen sollen die Kinder künftig ganz viel Platz zum Spielen haben. Foto: Markus Drossel
Auf 1000 Quadratmetern und zwei Ebenen sollen die Kinder künftig ganz viel Platz zum Spielen haben. Foto: Markus Drossel

Es funktionierte wie bei der Papstwahl: Keiner ging, bevor nicht eine Entscheidung getroffen war.“ Bad Staffelsteins evangelischer Pfarrer Matthias Hagen ist bestens gelaunt.

Ein Preisgericht hat am Dienstag die sechs Entwürfe für den Neubau des evangelischen Kindergartens gesichtet, die im Rahmen eines Wettbewerbs unter handverlesenen Architekten eingegangen waren. Den Zuschlag erhält das Büro Ulrich Manz aus Bamberg.

Auch Beate Wagner, die Leiterin des evangelischen Kindergartens, lächelt zufrieden.

Kigaleiterin Beate Wagner und Pfarrer Matthias Hagen freuen sich über die gelungenen Neubaupläne des Architekturbüros Ulrich Manz aus Bamberg. Foto: Markus Drossel

Sie ist mit dem Entwurf, den die Jury unter Vorsitz von Professorin Anne Behr von der Technischen Universität München einstimmig ausgesucht hat, vollauf zufrieden.

Zweigeschossig soll er sein, der Neubau. 1000 Quadratmeter Platz wird er bieten, für dann fünf statt vier Kindergarten- und Kinderkrippengruppen und 90 statt 78 Kinder.

„Im Gegensatz zu anderswo sind die Prognosen für Bad Staffelstein gut“, begründet Hagen. Man wolle gerüstet sein für die steigenden Kinderzahlen.

„Aufgrund des sehr guten Miteinanders zwischen der Stadt und den Kindergärten bekommt derzeit jeder einen Kindergartenplatz, der einen benötigt“, freut sich der Pfarrer. Und das soll so bleiben.

Doppelte Zahl an Räumen

Im neuen Kindergarten wird sich die Zahl der Zimmer nahezu verdoppeln.

Leiterin Beate Wagner hat auch schon konkrete Vorstellungen, was denn wünschenswert wäre:
Themenräume wie ein Atelier beispielsweise, Ruheräume, ein Therapiezimmer, ein Mehrzweckbereich, ein Vorschulraum und ein Personalzimmer für Vorbereitungen und Sitzungen. „Momentan sind wir räumlich sehr eingeschränkt“, sagt sie.

Rund drei Millionen Euro soll der Neubau kosten. Pfarrer Matthias Hagen ist überaus froh, Bürgermeister Jürgen Kohmann als verlässlichen Partner an der Seite zu haben. Kohmann war auch Teil des Preisgerichts, ebenso Walter Wüst vom Kirchenvorstand, fünf Architekten – und Pfarrer Hagen. „Die Stadt als Baulastträger hat die komplette Übernahme der förderfähigen Kosten zugesagt.“ Und der Anteil, der nach Abzug aller Förderungen für die Kirchengemeinde vor Ort bleibt, wird diese auch nicht in finanzielle Kalamitäten bringen. Pfarrer Hagens Traum wäre es, bereits am 1. September 2019 den neuen Kindergarten in Betrieb zu nehmen.

Der bisherige evangelische Kindergarten am Georg-Herpich-Platz wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.Foto: Markus Drossel

Er weis aber, dass das überaus ambitioniert ist. Für Abriss und Neubau ziehen die Kinder des evangelischen Kindergartens ins katholische Jugendheim. Das ist nicht verwunderlich, denn in Bad Staffelstein gibt es ein reges ökumenisches Miteinander. Während der Renovierung des katholischen Kindergartens war das Jugendheim bereits Ausweichkindergarten, die Veranstaltungen der katholischen Pfarrei, die sonst im Jugendheim sind, fanden auf Einladung im evangelischen Gemeindehaus statt.

Ein Prozess von gut drei Jahren

Nun revanchieren sich die katholischen Christen bei den evangelischen: drei der vier Gruppen finden dann im Jugendheim eine vorläufige Heimat, die vierte bleibt im Keller des evangelischen Gemeindehauses.

„Wir hätten sonst unschöne Container auf den Kirchplatz stellen müssen“: Hagen ist froh, dass er mit den katholischen Glaubensbrüdern ein so gutes Verhältnis pflegt. „Der ganze Prozess der Planungen begann schon vor gut drei Jahren“, holt der Pfarrer etwas aus. „Da dachten wir noch, dass wir den bisherigen Kindergarten generalsanieren würden. Nach 25 Jahren war das Gebäude am Georg-Herpich-Platz „reif“ für eine Komplettrenovierung.

Doch nicht nur das: Die räumliche Enge bereitete Personal wie Kostenträger Sorgenfalten. Und deshalb sollte eine der vier Gruppen nach der Sanierung ins Gemeindehaus ziehen. Doch es kam anders.

Im Schulterschluss

„Mit unseren Plänen traten wir, also Kirche und Stadt, im Juli 2016 an die Regierung von Oberfranken heran“, so der Geistliche. In Bayreuth meldete man arge Bedenken an: Eine Generalsanierung sei finanziell eine unsichere Lösung, außerdem verschlechtere sich der Kindergarten, wenn er sich auf zwei Gebäude verteile. Das große Umdenken setzte ein. „Den Kindergarten einfach plattmachen? Da musste ich schon etwas schlucken“, sagt Hagen.

Da hängen doch so viele Erinnerungen dran, so viele Momente der Freude, aber auch der Tränen.“ Letztlich sei das aber genau die richtige Entscheidung gewesen.

Der Architekt der Landeskirche bezweifelte, dass der Platz zwischen Dreieinigkeitskirche, Goethestraße und Gemeindehaus reichen würde für einen größeren Neubau. Daher lobten Stadt und evangelische Kirchengemeinde den Architektenwettbewerb aus.
Und hatten die Qual der Wahl.

Nach der Entscheidung des Preisgerichts folgen nun erste umfassendere Kostenschätzungen, dann die Kostenberechnung. Außerdem wird der Pfarrer seiner Kirchengemeinde am Sonntag beim Gemeindefest das Modell und die Planungen vorstellen.

„Wir haben bislang nur einen Entwurf, wenn auch einen sehr konkreten. An diesem werden wir nun weiter arbeiten“, so Hagen.

Text und Bilder  Markus Drossel/Obermain-Tagblatt

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