Kirche in Bewegung – Herbstsynode des Dekanats Michelau

Mit den zukünftigen Herausforderungen der evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat Michelau beschäftigten sich die Mitglieder des Kirchenparlaments auf ihrer Herbstsynode im Martin-Luther-Gemeindezentrum in Michelau.
Mit den zukünftigen Herausforderungen der evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat Michelau beschäftigten sich die Mitglieder des Kirchenparlaments auf ihrer Herbstsynode im Martin-Luther-Gemeindezentrum in Michelau.

Herbstsynode des evangelischen Dekanats Michelau startet Transformations-Prozess

Michelau. Dekanin Stefanie Ott Frühwald ist nun seit gut sieben Monaten im Amt und hat vor den Mitgliedern der Dekanatssynode ihre ersten Eindrücke vom Dekanatsbezirk Michelau, seinen Kirchengemeinden, Gremien und Einrichtungen mit ihren Haupt- und Ehrenamtlichen geschildert. Bei der Herbsttagung des Kirchenparlaments in Martin-Luther-Gemeindezentrum in Michelau betonte sie, dass ihr der herzliche und offene Empfang im volkskirchlich geprägten Oberfranken wichtig war und ihr gutgetan habe. Dies habe ihr Schwung und Energie für ihre neue Aufgabe gegeben.

Allein das Reformationsjubiläumsjahr 2017 habe ihr deutlich vor Augen geführt, wieviel Kreativität und Miteinander das Jubeljahr im Dekanatsbezirk Michelau freigesetzt habe. Die Vielfalt der Angebote habe dabei von Festgottesdiensten über Versöhnungsfeiern mit den katholischen Schwestern und Brüder über Baumpflanzungen, Kunstaktionen, Luther-Musicals bis hin zu einer ökumenischen Wallfahrt gereicht. Durch das Reformationsjubiläum habe die Ökumene noch einmal einen Anschub bekommen, stellte die Dekanin erfreut fest. Dabei gehe es vor allem um das Verbindende: Um Jesus Christus als die Mitte der Christen. Allerdings sollten auch die nach wie vor bestehenden Unterschiede nicht mehr so schamvoll verschwiegen werden, unterstrich Stefanie Ott-Frühwald. Beim ökumenischen Ehefest, zu dem der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Bayreuth und das Katholische Erzbistum Bamberg nach Vierzehnheiligen eingeladen hatten, seien die Verletzungen benannt und das Bedauern ausgesprochen worden, dass es nach wie vor keine gemeinsame Abendmahlfeier gebe. Daran weiter zu arbeiten, bleibe eine Aufgabe der Kirchen in der Zukunft.

Neben der Seelsorge sieht die Dekanin einen Schwerpunkt der Arbeit im Dekanat Michelau in der Begleitung von Kindern im vorschulischen und schulischen Bereich. Acht von zwanzig Kirchengemeinden seien Träger von Kindertagesstätten. Und die Schulkindbetreuung des Dekanats biete in weiteren Einrichtungen Begleitung von Kindern im Schulalter an. Dekanin Ott-Frühwald bezeichnete dies als wesentlichen Arbeitsbereich der Evangelischen Kirche. Hier würden Kinder auf dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes in ihrer Persönlichkeit unterstützt. In diesen Einrichtungen werde nicht nur mit dem Kopf gelernt. Es werde gemeinsam gegessen, einander zugehört, Freundschaften würden gepflegt, Spiele gespielt, Konflikte ausgetragen und beendet und außerdem singe man gemeinsam Lieder zum Jahreslauf, male und bastele in Gemeinschaft. Und sie lernten, andere zu unterstützen und sich selbst Hilfe geben zu lassen. Die dabei angebotene religiöse Bildung sei aber nicht der erste Grund, warum sich die Evangelische Kirche hier engagiere. Zuallererst sei das Angebot Diakonie, Dienst am Menschen. Aber die religiöse Dimension, die zu unserem Angebot wesentlich gehöre, sei ein wesentlicher Grund, diese Arbeit weiter zu machen, erläuterte die Dekanin.

Als Herausforderung bei ihrer Einarbeitung in das Amt sah Ott-Frühwald die Veränderungen, die derzeit in der evangelischen Landeskirche stattfinden. Mehrere und gleichzeitig stattfindendem aktiv betriebene Transformationsprozesse gelte es zu bewältigen. Einer davon sei die Bildung von Verwaltungsverbünden in Oberfranken. Dadurch sollen die sechs kirchlichen Verwaltungen im Kirchenkreis Bayreuth zukünftig bestimmte Aufgaben einrichtungsübergreifend wahrnehmen. Die Dekanin bezeichnete dies als gewaltigen Kraftakt für die Kirchenverwaltungen mit Mehrarbeit und notwendiger zusätzlicher Beziehungspflege. Zusammenfassend stellte die Dekanin fest, dass sie in ihrer Funktion zu einer lebendigen Kirche beitragen möchte, die sich offen, einladend und anteilnehmend gibt, fröhlich mit den Fröhlichen ist und weinend mit den Weinenden. Denn Kirche habe den Auftrag, das Licht, das die Liebe Gottes in Jesus Christus schenkt, in die Welt hinauszutragen. Diese Welt sei zwar nicht nur finster, aber die Dekanin zeigte sich überzeugt, dass sie dieses Licht, die Liebe und Barmherzigkeit des Evangeliums sehr nötig habe. Schließlich wies sie auf zwei wichtige Angebote im nächsten Jahr hin. In der Passionszeit starten wieder die Exerzitien im Alltag. Diese spirituellen Angebote seien wieder ökumenisch ausgerichtet und eröffneten Menschen Zugang zu dem Geheimnis, das Christen Gott nennen. Bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für den Dekanatskirchentag, der am Sonntag, 17. Juni 2018 in Seßlach stattfindet. Die Stadt und die dortige katholische Pfarrgemeinde unterstützen diese Veranstaltung des Dekanats Michelau. Und für das Jahr 2019 kündigte die Dekanin am 7. Juli die 200. Kirchweih der Johanneskirche Michelau an. Dazu sei Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm angefragt worden.

Daniel Kalkus, Mitglied des Dekanatsausschusses und des Kirchenvorstands in Lichtenfels, präsentiert sechs Grundaufgaben, die trotz sinkender Mitgliedszahlen und einer geringer werdenden Anzahl von Pfarrerinnen und Pfarrern von der evangelischen Kirche gewährleistet werden müssen.Im weiteren Verlauf der Herbsttagung setzten sich die Synodalen mit einem weiteren landeskirchlichen Transformationsprozess auseinander. Er wird „Profil und Konzentration“ (PuK) genannt und wurde im Frühjahr dieses Jahres von der Landessynode in Coburg beschlossen. Darin gibt die Evangelische Landeskirche in Bayern unter dem Motto „Neues wagen – und dabei Altes bewusst verabschieden“ den Kirchengemeinden Gelegenheit, sich auf die zukünftigen Herausforderungen der Kirche einzustimmen. Eines der wesentlichen Kennzeichen dieses Prozesses ist, dass notwenige Entscheidungen nicht von der landeskirchlichen Ebene her vorgegeben werden, sondern in den Regionen erarbeitet werden sollen. Zwei Referenten der Landeskirche konfrontierten die Synodalen mit der Ausgangslage der evangelische Kirche der Zukunft: Schwindende Ressourcen müssen mit den kirchlichen Aufgaben in Einklang gebracht werden. Dabei stellt sich die Frage, wie die Kirche angesichts geringerer Kirchenmitgliederzahlen und eines fehlenden Theologennachwuchses in den kommenden Jahren ihren Grundaufgaben nachkommen kann. Diese Rahmenbedingungen werden letztlich Auswirkungen auf den Landesstellenplan haben und dazu führen, dass Pfarrerinnen und Pfarrer einen immer größer werdenden Bereich zu betreuen haben. Deswegen empfiehlt die Landeskirche Überlegungen, wie Kirchengemeinden raumübergreifend zusammenarbeiten können. In verschiedenen Arbeitsgruppen widmeten sich die Synodalen diesem Thema und trugen schließlich ihre Arbeitsergebnisse zusammen, um ihre Überlegungen den Kirchenvorständen mitzuteilen und an der Basis in den einzelnen Gemeinden weiter zu diskutieren.

© Text und Fotos: Joachim Wegner

© Evangelisch-Lutherisches Dekanat Michelau 2013-2017

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