Muskelkraft und dampfende Giganten

Vor den 2 Meter hohen Rädern einer gigantischen Dampflok sehen Kilian und Nils ganz schön klein aus.
Vor den 2 Meter hohen Rädern einer gigantischen Dampflok sehen Kilian und Nils ganz schön klein aus.

Vor den zwei Meter hohen Rädern der Schnellzuglokomotive „Schwarzer Schwan“ wirken die Kinder fast verloren. Mit einer Länge von 26,5 Meter ist die längste Lokomotive im Dampflokmuseum Neuenmarkt-Wirsberg ein wahrer Gigant der Schiene. So faszinierte er auch große und kleine Besucher beim Auftakt des Sommerferienprogramms für Eltern und Kindern des Evangelischen Bildungswerks (EBW) Michelau. Begleitet wurde die Gruppe von Martina und Joachim Wegner.

Der kleine Ort Neuenmarkt erzählt noch heute von seiner bedeutenden Eisenbahngeschichte am Fuß der Schiefen Ebene. Bereits auf dem Weg zum Museum konnten Groß und Klein Eindrücke von der typischen Architektur der Eisenbahnerhäuser und Schrebergärten erfahren. Auf einer Brücke staunten alle über die für einen kleinen Ort so zahlreichen Gleise.

Im Museum nahm Führer Dieter Geyer die Familien mit auf eine Zeitreise durch die Eisenbahngeschichte. Was 1835 zwischen Nürnberg und Fürth mit dem „Adler“ seinen Anfang nahm, endete 142 Jahre später: Im Oktober 1977 wurden die letzten Dampflokomotiven aufs Abstellgleis geschoben und können nun im größten Spezialmuseum seiner Art in Deutschland in Neuenmarkt-Wirsberg bestaunt werden.

Glaskästchen und Bergkönigin

Manche historischen Lokomotiven sind bei Eisenbahnfreunden so beliebt, dass sie sogar Spitznamen bekommen haben: zum Beispiel das „Glaskästchen“, das wie ein Wintergarten aussieht, die „Bergkönigin“, die die große Steigung entlang der Schiefen Ebene überwinden konnte, und der „Schwarze Schwan“, die längste Lok im Museum.

Vor dem 15-ständigen Ringlokschuppen mit Segmentdrehscheibe erfuhren die Teilnehmer, wie die historischen Dampflokomotiven in die gewünschte Fahrtrichtung gedreht wurden. Dieter Geyer veranschaulichte die unterschiedliche Radgröße der Schnell- und Güterzüge: Große Räder können eine höhere Geschwindigkeit erzielen, viele kleine Räder können durch ihre größere Reibungsfläche schwere Güterwagons ziehen.

Das Farb-Geheimnis

„Warum sind Lokomotiven oben schwarz und unten rot lackiert?“, fragte er seine interessierten Zuhörer unter einer riesigen Lokomotive. „Weil die obenliegenden Teile durch den Dampf sowieso schwarz werden würden – und so sehen sie nicht ganz so schmutzig aus, erklärte er schmunzelnd. An der blutroten Farbe des Unterbaus konnten die Techniker hingegen Beschädigungen und Risse leichter erkennen.

Nach diesen Eindrücken konnten die Familien mit einer Kleinbahn des Museums Eisenbahnluft schnuppern und mehrere Runden durch das Museumsgelände drehen. Muskelkraft wer hingegen gefragt, als eine Hebeldraisine in Bewegung gebracht werden sollte und dann über die Schienen sauste.
„Wir sind aber heute viele Bahnen gefahren!“, staunen die Kinder Emil und Sophie auf der Heimfahrt: „Erst mit dem Regionalexpress nach Neuenmarkt-Wirsberg, dann mit der Museums-Kleinbahn, weiter auf der Hebeldraisine und nach Hause mit einer Agilis-Bahn.“

 

 

Eine Fahrt mit einer Hebeldraisine gehörte zu den Höhepunkten des Ausflugs. Der Antrieb brachte die Papas ganz schön ins Schwitzen.

 

Text und Fotos: Joachim Wegner

© Evangelisch-Lutherisches Dekanat Michelau 2013-2019

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