Tischgespräche im Stadtschloss

Mit einem neuen Veranstaltungsformat hat das Evangelische Bildungswerk KLM in enger Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis „Lichtenfelser Frauengruppen“ einen großen Erfolg für sich verbuchen können. Nach einem Besuch eines Frauenmahls im thüringischen Eisenach sahen sich Maria Hollering-Hamers, Martina Wegner und ihr Team darin bestärkt, etwas Ähnliches in der Kreisstadt anzubieten.

Dies wurde zur Geburtsstunde der Tischgespräche im Lichtenfelser Stadtschloss. Dass sich zu diesem Abend gleich 65 Frauen angemeldet hatten, überraschte die Veranstalterinnen. Unter dem Motto „Frauen.Zukunft.Frieden“ beleuchteten vier Rednerinnen das Thema des Abends aus persönlicher, sozialer, theologischer Sicht und aus der Bildungsperspektive.

Ein köstliches Drei-Gänge-Dinner im ansprechenden Ambiente des großen Saals im Stadtschloss rahmte die eindrücklichen Gedankengänge ein und verlieh dem Abend eine festliche Note.

 

Kulinarisch umsorgt und zu Gesprächen angeregt wurden die Frauen als Teilnehmerinnen der Tischgepräche im Lichtenfelser Stadtschloss von ihren jeweiligen Tischdamen Foto: Joachim Wegner

In ihrer Begrüßung erläuterte Maria Hollering-Hamers die Intention der Lichtenfelser Frauen, die sich mit dieser Veranstaltung die berühmten Tafelreden im Hause Martin Luthers zum Vorbild genommen hatten, aber schließlich ein eigenes Konzept daraus entwickelten. Dass die Lichtenfelser Frauengruppen seit nunmehr 30 Jahren in ihrem Aktionsbündnis erfolgreich zusammenarbeiten, schrieb die Initiatorin der Methode des „Affidamento“ zu.

Maria Hollering beschrieb dies als neidfreie Frauenkultur, denn jede erfolgreiche Frau brauche eine andere Frau, an die sie sich anlehnen und von ihr lernen könne. Nach dieser Methode arbeiteten die Frauen auf Augenhöhe zusammen in dem Bewusstsein, dass Verschiedenheit bereichert. Dank übermittelte die Initiatorin an das Evangelische Bildungswerk für die organisatorische Abwicklung sowie dem Landkreis und der Stadt Lichtenfels und ebenso der Sparkasse Coburg-Lichtenfels für die finanzielle Unterstützung.

Den Auftakt der Referentinnen, die aus Frauenperspektive über eine gute und friedvolle Zukunft nachdachten, sollte eigentlich Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner bilden. Doch sie war aufgrund Fraktionszwangs in Berlin geblieben und hatte dennoch sehr kurzfristig für Ersatz gesorgt. Cecily Benecke , die vor zwei Jahren nach Trieb gekommen ist, übernahm den Part sehr souverän. Aus einem Weindorf an der Nahe stammend schilderte die 28 jährige ihre ganz persönliche Sicht auf das Motto des Abends. „Frauen können alles werden“.

Dieser Satz ihres Vaters begleitete die Hausfrau und Mutter auf ihrem Lebensweg. Doch nach ihrer Erfahrung kritisieren sich Frauen viel zu oft gegenseitig und behindern sich so in ihrer Entwicklung. „Die Kunst, sich gegenseitig zu stärken, muss erst noch trainiert werden!“ Es könne aber nicht Ziel des Feminismus sein, Frauen zu besseren Männern zu machen, so Benecke, sondern sich gegenseitig in den von Gott mitgegebenen Gaben zu stärken. Durch ihren Glauben finde sie die Kraft, an der Verbesserung dieser Welt mitzuwirken und dadurch auch Zugang zu Frieden zu finden, betonte die junge Mutter.

Eine ganz andere Herangehensweise zum Motto „ Frauen.Zukunft.Frieden“ eröffnete Nicole Ehrsam, die als Politische Sekretärin der IG Metall Betriebsräte, Jugendvertretungen und Gewerkschaftsmitglieder betreut. Sie beklagte, dass die Einkommenslücke zwischen den Verdiensten von Männern und Frauen trotz gleicher Arbeit immer noch konstant geblieben ist. Dies wirke sich schließlich auch auf die Renten aus, zumal Frauen wegen der Erziehung ihrer Kinder oft Brüche in ihren Erwerbsbiographien aufwiesen.

Etwa 70 Prozent der Frauen arbeiteten in Teilzeit, während der Anteil der Männer nur 5,6 Prozent betrage. Dabei wünschten sich viele Männer mehr Zeit für die Familie. Doch der Teilzeitfalle zu entkommen, sei nicht leicht. Wenn Frauen aus ihrem Beruf ausstiegen, würden sie meist nicht mehr als Führungskräfte angesehen, monierte Ehrsam und verwies gleichzeitig auf die Tatsache, dass eine Pause von fünf Jahren später einen Einkommensverlust von 50 Prozent mit sich bringe.

Deshalb fordere ihre Gewerkschaft eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr lebensorientierte Berufsbiographien. Dass der Anteil der Frauen in Führungsetagen nur 7,5 Prozent betrage, liege unter anderen auch am geringeren Selbstbewusstsein der Frauen und an der Beobachtung, dass Frauen sich nicht selten selbst im Weg stünden. „Frauen müssen sich Ziele setzen!“ Entscheidend für die weitere Entwicklung nannte die Gewerkschaftssekretärin daher die Berufswahl. Und im Übrigen sei es nach dem Entgelttransparenzgesetz auch nicht verboten, über das Gehalt zu reden.

Frauen.Zukunft.Frieden – Dieses Motto der ersten Tischgespräche im Stadtschloss beleuchteten vier Referentinnen aus unterschiedlicher Perspektive. Initiatorin Maria Hollering-Hamers (von links nach rechts) bedankte sich bei Pfarrerin Mirjam Elster, IG Metall-Sekretärin Nicole Ehrsam, Rektorin Anja Buchdrucker und Cecily Benecke Foto: Joachim Wegner

Als Lehrerin an einer Grund- und Mittelschule lenkte Anja Buchdrucker den Blick des Auditoriums auf einen typischen Frauenberuf. Die Pädagogin ist seit 22 Jahren tätig und leitet seit sieben Jahren eine Schule in Kulmbach.

Beim Blick auf den Lehrerberuf schlug sie einen weiten Bogen. Während die Erziehung vor 100 Jahren noch eine reine Männerdomäne gewesen ist, sei es heute umgekehrt. Unter 37 Lehrern gibt es an ihrer Schule nur fünf Männer. Daher stelle sich die Frage, warum sich immer mehr Männer aus den Grund- und Hauptschulen zurückzögen. Dabei wäre ein Mann als Lehrer oder Erzieher doch cool, meinte die Rektorin und verwies auf das unterschiedliche Konfliktmanagement der Geschlechter.

Während Frauen eher zur Versöhnung neigten, bevorzugten Männer die Klärung unter sich. Des Weiteren setzte sich Anja Buchdrucker mit Frauen in Führungspositionen auseinander. Der Weg dorthin werde Frauen nicht leicht gemacht, denn hinter jeden starken Frau stünden drei weiteren Frauen, die sich deshalb kritisieren. Wenn eine Frau dann einmal an der Spitze angekommen sei, wolle sich meist ihren Willen auf Biegen und Brechen durchsetzen.

Aus ihrem Schulalltag wusste sie zu berichten, dass dies meist für großen Unfrieden sorgt. In den Blick nahm die Rektorin auch die sehr unterschiedliche Bezahlung an verschiedenen Schularten. So verdienten Gymnasiallehrer bereits zu Beginn ihrer Berufslaufbahn mehr als die für Grund- und Mittelschulen zuständigen Schulräte. „Schulpolitik darf keine Parteipolitik sein“ betonte Anja Buchdrucker und plädierte für einheitliche Bildungschancen und mehr Wert und Anerkennung für handwerkliche Talente.

Den Reigen der Referentinnen beschloss Pfarrerin Mirjam Elser aus Bamberg. Die Koordinatorin der Flüchtlingsarbeit im evangelischen Dekanat Bamberg berichtete von der Sehnsucht vieler Menschen nach Frieden und ihren Bemühungen, hier Impulse zu setzen. Bei der Beschäftigung mit dem Thema Frieden erinnerte sich die Theologin an Besucher aus Israel, die ihre Gastgeber mit „Shalom“ begrüßten. Der Friedensgruß Shalom beinhalte nicht nur Zufriedenheit aus, sondern sei vielmehr Ausdruck für die Vision Gottes für diese Welt.

Und die Menschen seien aufgefordert, danach zu suchen. In der Flüchtlingsarbeit begegneten ihr immer wieder erschütternde Schicksale, aber auch die Erfahrung, dass Frauen stark wie Männer sein können. Dies gebe ihr die Zuversicht, dass sie dazu beitragen könne, diese Welt ein Stück menschen- und frauenfreundlicher zu machen, berichtete die Pfarrerin.

Mit ihren Tischgesprächen waren die Lichtenfelser Frauengruppen auf große Resonanz und Begeisterung bei ihren Gästen gestoßen. Apothekerin Katja Enders sah eine große Bereicherung darin, sich mit Frauen verschiedenen Alters auszutauschen und hoffte auf weitere Begegnungen dieser Art. Als sehr informativ beschrieb Monika Hummel die Tischgespräche, weil hier aktuelle Themen von verschiedenen Seiten beleuchtet wurden. Das Zusammensein mit jüngeren Frauen genossen auch Margit Daum und Maria Spieß.

Sie lobten die Wohlfühlatmosphäre im Stadtschloss, zu insbesondere auch die Tischdamen beigetragen hatten.

© Evangelisch-Lutherisches Dekanat Michelau 2013-2019

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