Von der Nonne zur Pfarrfrau

Der Kreis der Zuhörerinnen beim "Talk im Stadtmuseum".
Der Kreis der Zuhörerinnen beim "Talk im Stadtmuseum".

Die Reformation hat die Frauen als Christenmenschen aufgewertet, ihnen Chancen auf Bildung eröffnet und ihren Erziehungsauftrag bestätigt. Gleichzeitig hat sie ihnen auch die Führung eines eigenständigen Lebens im Kloster genommen. Dieses Fazit zog die Kronacher Dekanin Dorothea Richter in ihrem Vortrag „ Von der Nonne zur Pfarrfrau“. Zu diesem hatte das Evangelische Bildungswerk (EBW) im Rahmen der Ausstellung „Frauen der Reformation“ vor wenigen Tagen ins Lichtenfelser Stadtmuseum eingeladen.

Die Dekanin machte deutlich, dass es eine Person mit einem Lebenslauf wie ihrem im ausgehenden Mittelalter nicht denkbar gewesen wäre. Ledig, alleinlebend, berufstätig. Unverheiratete Frauen hat es damals nur im Kloster oder als Anhängsel einer Großfamilie gegeben. Singles wie heute seien nicht denkbar gewesen. Und eine Berufstätigkeit hätten Frauen nur innerhalb der Familie oder in einem Kloster ausüben können. Damit charakterisierte die Referentin die drei möglichen Lebensformen der Frauen im ausgehenden Mittelalter.

In der Rolle der Ehefrau seien Haus und Kinder zu versorgen gewesen. Verheiratete Frauen hätten innerhalb der Familie aber nicht nur mitarbeiten dürfen, sondern als „Meisterinnen“ im Handwerk auch wichtige Rollen übernommen und Handel getrieben.

Bildung und Sicherheit

Da Jungfräulichkeit als sicherster Weg in den Himmel angesehen wurde, sei auch das Klosterleben vielen Menschen attraktiv erschienen. Viele Eltern hätten ihre Töchter deshalb bereits in jungen Jahren unter Zahlung einer Mitgift der Gemeinschaft der Nonnen übergeben, um sie wirtschaftlich abzusichern. Hinter den Klostermauern hätten die Frauen dann nicht nur Bildung erfahren, sondern auch ein weitgehend selbstständiges Leben ohne die Kontrolle männlicher Verwandter geführt.

Als dritte Lebensform im ausgehenden Mittelalter nannte die Dekanin die Rolle der „Bübin“. Frauen, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht heiraten konnten, seien zu Konkubinen der Priester geworden.

Im Weiteren ging Dorothea Richter auf die Veränderungen ein, die die Reformation mit sich gebracht habe. Hier nannte sie zu allererst die Abschaffung der Leistungsreligion. Während Ablassprediger wie Tetzel durch die Lande zogen, um den Menschen gegen Geldspenden die Vergebung ihrer Sünden versprach, habe die Reformation eine Befreiung daraus gebracht und ein Aufatmen ermöglicht. Durch die Bibelübersetzung Martin Luthers ins Deutsche sei die frohe Botschaft für alle lesbar geworden.

Unterordnung auch in der Reformation

Da die Reformatoren erkannt hätten, dass der Sexualtrieb nicht unterdrückt werden könne, war es ihnen wichtig, ihn in geordnete Bahnen zu lenken. Somit habe die Frau als Ehefrau und Mutter eine wichtige Aufwertung erfahren und sei auch für die Glaubensvermittlung im Hause zuständig gewesen. Dennoch hätten auch die Reformatoren die Unterordnung der Frauen unter den Mann gefordert, denn es solle keine „meisterlosen Frauen“ geben. Beispielhaft nannte die Referentin Frauen, die sich durch ihren Einsatz für die Sache der Reformation stark gemacht hatten:

So ist Elisabeth Kruziger als erste evangelische Liederdichterin bekannt geworden. Katharina Zell hat mit ihrem Ehemann Matthäus im Jahr 1523 in Straßburg das erste evangelische Pfarrhaus gegründet und dabei auch zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen. Katharina von Bora hat als Ehefrau von Martin Luther durch ihr wirtschaftliches Geschick die Achtung ihres Gatten erlangt. In diesem Urtyp des evangelischen Pfarrhauses haben regelmäßig 30 bis 40 Personen am Tisch der Luthers Platz genommen. Mit der Anrede „Mein lieber Herr Käthe“ habe Martin Luther seinen Respekt gegenüber seiner Ehefrau ausgedrückt.

Engagiert ohne Lohn

In dieser Zeit sei das Idealbild der evangelischen Pfarrfrau entstanden, so Dorothea Richter. Diese seien theologisch gebildet und leistungsfähig genug gewesen, um einen vielköpfigen Haushalt zu managen, Gäste zu beherbergen, Kranke in der Gemeinde zu pflegen und sich auch sonst sozial zu betätigen. Erst im 20. Jahrhundert wurde dies durch die eigene Berufstätigkeit der Frauen in Frage gestellt.

In der anschließenden Aussprache machten die Teilnehmerinnen deutlich, dass die Frauen der Reformation für viele als Vorbild dienen könnten. Die völlige Gleichstellung der Frau in unserer Gesellschaft sei aber auch heute noch lange nicht erreicht.

Text und Fotos: Joachim Wegner

Die Referentin, Dekanin Dorothea Richter.

© Evangelisch-Lutherisches Dekanat Michelau 2013-2019

zum Seitenanfang