Wenn alte Spiele neu entdeckt werden

Die Nachmittage im Winter waren kalt, so dass wir immer nur kurze Zeit auf dem Pausenhof verbringen konnten. Im Gruppenraum merkten wir schnell, dass einige unserer Drittklässler nicht so richtig wussten, was sie mit sich anfangen sollten.

Die Zeit für Fußball im Freien war eben noch nicht gekommen.

Also höchste Zeit, den Kellerfundus zu durchstöbern, um alte Spiele neu zu entdecken.

Und wir wurden schnell fündig.

Da stand noch die im Originalkarton, deren bunte Abbildungen uns einluden aufzubauen. Auf einem Reststück Teppichboden schufen wir dafür Platz im Gruppenraum und sowohl Neugierde als auch Motivation waren plötzlich sehr groß.

Nun ist unsere Kugelbahn keine feste, fertig montierte Bahn, auf der man einfach nur Kugeln laufen lassen kann, je mehr desto besser. Nein.

Unsere Kugelbahn besteht aus knapp 100 Einzelteilen, die erst zu einer funktionsfähigen Bahn zusammenbebaut werden müssen. Das kann ganz leicht gehen und es kann auch ganz schön anspruchsvoll sein, je nach Alter und Ehrgeiz.

Die Drittklässler geben sich natürlich nicht mit der Variante zufrieden, die schon ab 4 Jahren möglich ist.

Die Kugelbahn muss immer waagerecht sein und wird über unterschiedliche Quader aufgebaut, die je nach Farbe unterschiedliche Eigenschaften haben. Das fanden die Kinder schnell heraus durch „Versuch und Irrtum“.  Auf den Kurven, den Fall- und Laufwegen in unterschiedliche Richtungen, den geraden Strecken merken sie gleich, wo vielleicht noch ein Beschleuniger benötigt wird, damit die Kugel ans Ziel kommt.

Holzkugelbahn Am tollsten ist es, wenn die große Bahn mit der Spirale eingebaut werden kann oder Höhen ausgeglichen werden müssen, damit die Kugel rollt. Immer wieder wird ein Trainingslauf durchgeführt um zu sehen, ob noch irgendwo ein Quader gedreht oder ausgetauscht werden muss.

Während die einen das freie, kreative Bauen bevorzugen und sich ganz auf sich selbst verlassen, wählen die anderen lieber den Bauplan als sichere Variante. Streng nach Plan vorzugehen, ohne abzuweichen hat auch seinen Reiz.

Ganz unterschiedliche Bereiche werden hier bei den Kindern angesprochen.
 

Neben dem Experimentieren (Feinmotorik, Koordination), wird abstraktes, vorausschauendes Denken, geschult, Fantasie, Kreativität, Ausdauer und Konzentration gefördert. Auch die Kommunikation kommt hier stark zum Einsatz, denn Kinder planen gemeinsam und sprechen sich ab, wie nun was gebaut werden soll. Und nicht selten müssen sie ihre Vorschläge auch diskutieren und begründen.

Hier lernen jüngere Kinder ganz stark von älteren. So manch einer übt sich auch in Geduld; nicht jeder kann abwarten, bis die Murmel vollständig durch die Spirale gerollt ist oder die siebenstufige Bahn passiert hat. Die eine oder andere Kugel bekommt schon mal einen sanften Schubser, damit das Ganze etwas schneller geht.

Und trotzdem….wir freuen uns jetzt schon auf warme, sonnige Nachmittage auf dem Pausenhof.

© Evangelisch-Lutherisches Dekanat Michelau 2013-2019

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