Evangelisch im >>Gottesgarten<< am Obermain
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>>Wohlauf, die Luft geht frisch und rein ...<< So beginnt die erste Strophe des populären Frankenliedes, das der Spätromantiker Victor von Scheffel gedichtet hat. In ihm singt er eine Hymne auf >>die Lande um den Main<< und setzt auch dem >>heiligen Veit von Staffelstein<< ein literarisches Denkmal.
Scheffels empfindungsreiche Huldigung an eine liebliche Natur kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man sich dem oberfränkischen >>Gottesgarten am Obermain<< (Scheffel) um Lichtenfels und Bad Staffelstein nähert. Hier liegt auch der Ort Michelau, dessen rund 7000 Bürger zu fast zwei Drittel evangelisch sind. Bis heute hat die uralte lutherische Traditionsgemeinde Michelau den Dekanatssitz erfolgreich verteidigen können, zumal die nur wenige Kilometer entfernte Kreisstadt Lichtenfels stark katholisch geprägt ist.
Die weithin sichtbaren Wahrzeichen der Region, Balthasar Neumanns prachtvolle Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen und das ehemalige Benediktinerkloster Banz, drückten lange Zeit auf das protestantische Selbstbewusstsein, wie es ein Kenner der kirchlichen Verhältnisse ausdrückt. Es ist wahrlich nicht nur der Main, der die beiden Nachbarorte Michelau und Lichtenfels trennt. Hier ragen die einst scharfen konfessionellen und sozialen Gegensätze noch immer ein wenig in die Gegenwart hinein. Bei dem riesigen Versuch, Michelau zu rekatholisieren, soll in alter Zeit die ganze Dorfbevölkerung zeitweise eingesperrt gewesen sein. Auch die wirtschaftlichen Abhängigkeiten belasteten die nachbarschaftlichen Beziehungen.
Was Michelaus arme Korbflechter anfertigten, wurde von betuchten Lichtenfelsern in alle Welt vermarktet. Die Kunst des Flechtens ist übrigens in Michelau, dem Sitz des deutschen Korbmuseums, noch immer weit verbreitet, und wer hierher kommt, handelt sich in der Regel schnell einen Korb ein.
Zu festlichen Anlässen wird neuerdings auch Michelauer Wein kredenzt. Bei näherem Hinsehen bemerkt der Gast indes, dass noch ein zweites Michelau auf der Welt ist, nämlich ein gleichnamiges unterfränkisches Weindorf, mit dem man partnerschaftliche Beziehungen unterhält.
Der Dekanatsbezirk Michelau mit seinen 27.300 Seelen, die sich auf 20 Kirchengemeinden verteilen, umfasst ein Gebiet von fast 600 Quadratkilometern und berührt nicht weniger als vier Landkreise, Kulmbach, Bamberg, Hassfurt und Coburg, mit vielen kleinen und größeren Zentren. Es grenzt im Norden an die Ausläufer des Thüringer Waldes und im Süden an den Jura. Sein Herzstück, das Obermaingebiet, ist klimatisch spürbar günstiger als beispielsweise das nordöstliche Oberfranken.
Flexibilität ist angesagt in einem Dekanatsbezirk, in dem Historie, Landschaft, Menschenart und Frömmigkeitsprägung so unterschiedlich sind. Da fühlen sich die Bewohner der Kirchengemeinde Tambach noch als Coburger >>Residenzler<<, während beispielsweise Zapfendorf vom katholischen Hochstift Bamberg seine Prägung erhielt.
Die geschichtliche >>Melange<< wird abgerundet durch Gemeinden, die einst Teil des protestantischen Fürstentums Bayreuth waren. Und da wäre noch Mitwitz, eine Enklave im Landkreis Kronach – ein Unikum auf der landeskirchlichen Landkarte. Zum Dekanatsbezirk gehören touristische Anziehungspunkte wie Seßlach, ein oberfränkisches Rothenburg mit malerischem Stadtbild, und der Kurort Bad Staffelstein am Fuß des 539 Meter hohen Staffelberges, der eine grandiose Rundsicht bietet.
In Bad Staffelstein wurde übrigens mit Eigensinn und getreu nach Adam Riese, einem gebürtigem Staffelsteiner, erst am 1. Januar 2001 das dritte Jahrtausend begonnen, 366 Tage später als in der restlichen Welt. Die chronologische Geisterfahrt erwies sich als prächtiger PR-Gag und brachte den Heimatort des berühmten Rechenmeisters in alle Zeitungen und Programme. Nicht zuletzt dank seines bedeutenden Thermalbades erfreut sich das 10 000- Einwohner-Städtchen, das eine Ausdehnung von 32 Kilometern aufzuweisen hat, als Touristenzentrum wachsender Beliebtheit.
Die touristische Attraktivität der Region wird noch durch einen würzigen Superlativ genährt, der Erinnerung an alte, gemütlichere Zeiten weckt. Es gibt hier unglaublich viele Hausbrauereien, die nur für den Eigenbedarf den edlen Gerstensaft herstellen. In einer Zeit der Mega-Fusionen auf dem Biermarkt ist das Überleben einer so vielfältigen Bierlandschaft ein kleines Wunder. Hinzu kommt eine gediegene und preiswerte Gastronomie, die ebenfalls mit dazu beiträgt, dass hier >>üppiger gefeiert wird als anderswo<<.
(Aus dem Sonntagsblatt vom 15. April 2001/Nr. 15 Seite 12 von Bernd Mayer)
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© Evang.-Luth. Dekanat Michelau 2002
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