Geschichte der Kirche in Gleussen

Zur Geschichte der Kirche in Gleußen

Kirche Gleussen mit TurmErwähnung und erster Kirchenbau:

Der Ort Gleußen wird im Jahr 1299 erstmals urkundlich erwähnt.

Zu dieser Zeit hat wohl hier an dieser Stelle auch schon eine Kirche gestanden. Zumindest stammen die beiden unteren Turmgeschosse aus gotischer Zeit. Sie sind wohl im 13. Jahrhundert errichtet worden. Wie die Kirche damals ausgesehen hat, weiss man natürlich nicht mehr. Aber es ist zu vermuten, dass es eine relativ kleine Kapelle mit eben diesem Turm gewesen ist, wobei das Erdgeschoss des Turmes als Chorraum verwendet worden war.

Von der Geschichte her war Gleußen eine Filiale der weiträumigen Urpfarrei Altenbanz. Das heisst, der Pfarrer hatte seinen Sitz in Altenbanz gehabt, war aber regelmäßig nach Gleußen gekommen, um dort Gottesdienst zu halten.

Bauernkrieg und Reformation

Anfangs des 16. Jahrhunderts wurde Gleußen mit in die Bauernkriege hineingezogen, die ihren Höhe­punkt 1525 gehabt haben. Eine Folge dieser harten Zeit war aber, dass der Bevölkerung in Gleußen die „Verkündung der rechte Lehr" gestattet wurde. Das heisst  Sie durften ihren Glauben selbst bestimmen und wurden eine selbständige Pfarrei.

 

Die Wahl der Gleußener fiel auf den evangelisch-lutherischen Glauben. 1528 trat mit dem Coburger Heinrich Vischer der erste evangelische Pfarrer seinen Dienst an. Im 30jährigen Krieg musste die Ortschaft schwer unter den Kriegshandlungen leiden. Der damalige Pfarrer musste vor den Truppen Wallensteins nach Schottenstein fliehen. Jedoch überstanden die Gleußener die Zeit so einigermaßen und konnten auch ihre Selbständigkeit bewahren.

Kirchenbau (Erweiterung und Umbau)Reliefierter Schlussstein im Kreuzrippengewölbe

Der Turm aus dem 12 Jahrhundert diente im Erdgeschoss zunächst als Chorraum, an den sich vermutlich noch eine kleiner Kirchenraum anschloss. Interessant ist das Kreuzrippengewölbe, in dessen Scheitel sich ein Tellerschlußstein mit einem reliefiertem Christushaupt befindet.

Der hohe schlanke Schieferhelm mit den vier Scharwachttürmchen wurde 1608 errichtet. Das jetzige Kirchengebäude, so wie es jetzt dasteht, wurde in den Jahren 1831 bis 1836 errichtet. Einige Jahre zuvor waren nämlich die evangelischen Christen von Kaltenbrunn zur Gleußener Gemeinde dazugekommen. Und jetzt war die Kirche zu klein geworden. Ausserdem ist schon seit der Reformationszeit immer wieder davon berichtet, dass es in die Kirche hineingeregnet habe. Deshalb wurde der Vorgängerbau eingelegt und an der gleichen Stelle die jetzige Kirche erbaut.

 

Die Ausstattung der Kirche

Altar GleussenIns Auge fällt sofort der Baldachinkanzelaltar. Kanzelaltar, das bedeutet, dass die Kanzel und der Altar baulich ganz eng zusammengehören, die Kanzel direkt über dem Altar angeordnet ist. Solche Altäre gibt es nur in evangelischen Kirchen, in denen die Wortverkündigung eine so herausragende Stellung im Gottesdienst einnimmt.

Die Kanzel präsentiert sich wie ein Balkon auf zwei Rundsäulen und zwei Pfeilern über dem Altartisch. Die Kapitelle sind mit Blattdekor versehen. Die Brüstung der Kanzel steht auf einer rechteckigen Grundfläche und ist mit einer stark profilierten, rundumlaufenden Gesimsauflage versehen. Der Kanzelzugang ist rechteckig gerahmt und von Pilastern flankiert. Der Schalldeckel besitzt eine halbrunde Grundform. Er hat ein profiliertes Gesims mit Blattwerk und einem Konsolenfries.

In seiner Gesamtheit ist der Kanzelaltar ein Werk aus der Kunstschreinerwerksatt der Brüder Stößel in Schweinfurt.

Zwei Grabsteine sind an der Südwand eingelassen: einer aus dem Jahr 1740 für den Gleußener Gastwirt Johann Christian Schubarth und dessen Ehefrau Anna Rosina, geb. Miller, ein weiterer für den 1724 verstorbenen Pfarrer Christoph Friedrich Sauer. Dieser Stein hatte viele Jahre als Steg über den Dorfgraben gedient, ehe er hier wieder zu alten Ehren kam.alter Grabstein

Renovierungen

Seit dem Erweiterungsbau mußte die Kirche immer wieder renoviert und restauriert werden.

Um die Jahrhundertwende erfolgte eine erste Renovierung, nach dem 2. Weltkrieg eine zweite. Dabei wurde die elektrische Heizung eingebaut und Orgel und Geläut auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die letzte sehr gründliche Restaurierung wurde in den Jahren 1978 bis 1987 durchgeführt.

In mehreren Bauabschnitten wurde zunächst der Kirchturm saniert und die Glockenstube im Turmobergeschoss verstärkt. Dabei fand man in der Turmkugel alte Urkunden und Münzen. Die Schriftstücke waren teilweise beschädigt, weil irgendwann jemand auf die Turmkugel geschossen hatte und zwei Kugeln durch die Dokumente durchgedrungen waren und in der Turmkugelwand steckengeblieben waren. Die Originaldokumente und die Münzen befinden sich jetzt im Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg. In die Turmkugel sind Fotokopien der Dokumente gelegt worden und neue Zeitdokumente. Auf weiteres folgte die Erneuerung von Fenstern und Türen und die Erneuerung des Putzes. Schließlich wurden die Kirchenbänke ebenfalls erneuert und zu guter Letzt die Orgel restauriert. Die lange Renovierungszeit ist auf akuten Geldmangel schon damals zurückzuführen.

Die Orgel

Am 4. Advent 1987 konnte die Orgel wieder in Dienst gestellt werden.

Die Orgel stammt aus dem Jahr 1834. Sie ist vom aus Neustadt bei Coburg stammenden Orgelbauer Georg Christoph Hofmann errichtet worden. Leider war nicht mehr der ursprüngliche Zustand der Orgel erhalten geblieben: Die Prospektpfeifen, die vorne stehen und von allen zu sehen sind wurden im Krieg ausgebaut und zu Waffen eingeschmolzen. Billiger Ersatz wurde aus ordinärem Ofenrohrblech geschaffen. Doch wurde das bei der Restaurierung wieder beseitigt.

 

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