Herbstorgel von 1732

Die Heinrich-Gottlieb-Herbst-Orgel von 1732 in der Lahmer Schlosskirche zählt zu den bedeutendsten Denkmalorgeln Bayerns und 
auch Deutschlands. Ihre Klangschönheit hat fast 300 Jahre überdauert. Jedoch haben klimatische Einwirkungen, die rege Nutzung und manche – aus heutiger Sicht bedenkliche – Eingriffe Spuren hinterlassen. Besonderheiten wie die Vox humana oder die spätbarocke, farbige Disposition faszinierenden Organisten und Fachkundige. Aufgrund des derzeitigen besorgniserregenden Zustands der Orgel streben die Verantwortlichen eine umfassende Restaurierung an. 2025 wurden Orgel und Schlosskirche zum Nationalen Denkmal erhoben, ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Restaurierung.

 Die Lahmer Orgel markiert den Höhepunkt des künstlerischen Schaffens von Heinrich Gottlieb Herbst.Die Ausstattung der Lahmer Kirche mit der wertvollen Herbst-Orgel ist kein Zufall. Vielmehr verdankt sie sich der Kunstliebe des Freiherrn, der sowohl den Ablauf der Weihehandlung von 1732 also auch die Registrierung der Orgelstücke vorschrieb. Heinrich Gottlieb Herbst (1689-1738) ist Spross einer Orgelbauerfamilie, deren Schaffen mit ihm endete. Sein Großvater, Heinrich Herbst der Ältere, und sein Vater, Heinrich Herbst der Jüngere, schufen bedeutende Orgeln, etwa in Magdeburg, Basedow und Halberstadt (Dom). Von den bemerkenswerten Instrumenten der Herbst-Familie sind im Wesentlichen die Orgeln in Basedow, Erxleben und Lahm erhalten. Die Lahmer Orgel weist mit etwa 95 % den weitaus größten erhaltenen Anteil an Originalsubstanz auf.

Die Orgel in Lahm ist das einzige Werk Heinrich Gottlieb Herbsts. Es steht erkennbar in der Familientradition und greift doch die bedeutsamen musikalischen Entwicklungen im spätbarocken Orgelbau auf. Die Orgel besitzt eine raumbeherrschende Stellung in der zwischen 1728 und 1732 errichteten, klassizistisch geprägten Lahmer Schlosskirche. Konstruktive Herausforderungen wie das recht kleine Gewölbe, in dem die recht große Orgel Platz finden sollte, löste Heinrich Gottlieb Herbst in kreativer Weise mit Pedaltürmen an der Emporenbrüstung. Als Besonderheiten sind etwa der Reichtum an Grund- und Bassstimmen, der dunkle, besonders gravitätische Plenumklang, die in einer Dorfkirchenorgel ungewöhnliche Disponierung einer Posaune 32‘ und die ungewöhnliche Bauweise des Registers vox humana zu nennen.
 

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