Visitation endet in Lichtenfels - Fragen der Neuorganisation der evangelischen Kirche standen im Mittelpunkt

Ein Festgottesdienst in Lichtenfels beendete eine Visitation des Dekanats Michelau durch Regionalbischöfin Berthild Sachs (2. v. links). Pfarrer Christian Rosenzweig (links) und die zuständigen Dekane Dr. Markus Müller und Dr. Ulrike Schorn empfingen sie am Kirchenportal der Martin-Luther-Kirche
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Mit einem Festgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche beendete Regionalbischöfin Berthild Sachs aus Bayreuth ihre einwöchige Visitation des Dekanatsbezirks Michelau. Nach einem Gesprächsabend, zu dem alle Kirchenvorstände im Dekanat eingeladen waren, und Besuchen der Kirchengemeinden Michelau und Bad Staffelstein sowie einer Dienstkonferenz mit allen Pfarrerinnen und Pfarrern sowie den Hauptamtlichen zog die Bischöfin eine positive Bilanz. Visitation ist ein kirchenrechtlich vorgeschriebener Besuch der Bischöfe, der den Austausch fördern, Aufgaben evaluieren und Zukunftsperspektiven entwickeln soll.

Berthild Sachs machte in einem Fazit deutlich, dass dabei nicht die Kontrolle, sondern die Begegnungen mit den Menschen im Vordergrund gestanden haben. Gegenseitiges Wahrnehmen und Zuhören sei ihr besonders wichtig gewesen. Bei allen Gesprächen sei das Thema der zukünftigen Organisation der evangelischen Kirche auf allen Ebenen im Mittelpunkt gestanden. Denn die abnehmende Zahl der Kirchenmitglieder bringt viele Herausforderungen mit sich. Personell und finanziell wird es in Zukunft enger werden. Die Kirchengemeinden werden sich gezwungen sehen, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen. Diskutiert wurde vor allem die Frage, wie sich die zukünftigen Regionalgemeinden mit einer Richtgröße von etwa 8.000 Seelen zusammensetzen sollen. Bis dahin seien noch viele Fragen, auch juristische, zu klären, betonte die Bischöfin. Vorbildlich nannte sie das Modell der Trägervertretung für die Kindertagesstätten in den Dekanaten Michelau und Kronach-Ludwigsstadt. Sie sah darin einen wichtigen Baustein zur Entlastung der Kirchengemeinden. Bei ihren Besuchen habe sie den Eindruck gewonnen, dass die Identifikation mit der jeweiligen Kirchengemeinde in kleineren Gemeinden, die oft auch ohne Pfarrer auskommen müssten, deutlich höher sei als in großen, berichtete die Bischöfin. Deshalb sollte man darauf achten, diesen kleinen Einheiten nicht zuviel zuzumuten im Zuge einer Neuorganisation. Ein Thema, das viele Menschen beschäftigt, nannte Berthild Sachs die Neuordnung der Dekanatsbezirke. Den Vorschlag eines Zusammenschlusses der Dekanatszirke Michelau mit Kronach-Ludwigsstadt, Kulmbach und Thurnau sah sie als gute Balance einer ländlichen Region im Herzen Oberfrankens. Er gehe jetzt in die Prüfung durch einen noch zu gründenden Kooperationsausschuss. Die Bischöfin wollte nicht ausschließen, dass sich im Zuge dieses Prozesses einzelne Kirchengemeinden anderen Dekanatsbezirken zuwandten, weil sie sich einer anderen Region verbunden fühlten. Beispielhaft nannte sie Zapfendorf, Tambach und die Gemeinden im Itzgrund. Dies sei dann nach entsprechenden Beschlüssen der jeweiligen Kirchenvorstände durchaus möglich.

Eine zunehmend wichtigere Rolle werden nach Ansicht von Berthild Sachs die Ehrenamtlichen in der Kirche spielen. „Das Ehrenamt wird sichtbarer und lebendiger werden und kaum noch einen Unterschied zu den Hauptamtlichen machen. Diese andere Art der Ehrenamtlichkeit braucht mehr Kompetenzen und deshalb müssen alle in der Kirche umdenken.“ Die Aufgabe der Hauptamtlichen werde dann darin bestehen, die Ehrenamtlichen für ihre Aufgaben zu rüsten und sie zu begleiten.

Auf die Zukunft der Kirche angesprochen betonte die Regionalbischöfin, dass sie in dieser Hinsicht keine Sorgen habe. Die Kirche werde fröhlich in großer Vielfalt existieren. Man werde zwar mit mehr Armut leben, aber auch mit mehr Glaubwürdigkeit und dem Wissen, dass nicht alle Probleme mit Geld zu lösen seien. Nach wie vor gebe es große Not in unserer Gesellschaft und viele Menschen seien auf der Suche nach Orientierung und Glaubensinhalten. Gefragt sei daher wieder an vielen Orten ein Evangelium der Tat, wie es beispielsweise in Nachbarschaftshilfen, Mittagsstischen und Besuchsdiensten zum Ausdruck komme.

Besonders wichtig war Regionalbischöfin Berthild Sachs ein Besuch im Kloster Kirchschletten. Mit Mutter Mechthild fühle sie sich besonders verbunden, zumal sich die Schwestern ökumenisch sehr aufgeschlossen zeigen. Der dortige Tagungsbetrieb werde zur Hälfte von evangelischen Gruppen getragen.

Text: Joachim Wegner

Am Sonntag des guten Hirten predigte Regionalbischöfin Berthild Sachs in der Martin-Luther-Kirche über die Hirtenworte Jesu im Johannesevangelium. Dabei warnte sie vor falschen Hirten, die durch Gier getrieben seien und nur an sich selbst dächten. Wahre Stärke zeige sich dagegen im Dienst am Leben.
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